Die Ausstellung kuratiert Klassenfragen ohne moralisierenden Zeigefinger. Wer eintritt, sieht zunächst Alltagsgegenstände — und versteht erst nach und nach, dass diese Gegenstände eine Sozialgeschichte erzählen, die sonst nirgendwo zu finden ist.

Was bleibt nach dem Film, ist nicht eine Botschaft, sondern eine Stimmung. Die Bilder einer Plattenbausiedlung, die ohne pathetische Musik und ohne Off-Stimme auskommt, erzählen mehr über Gegenwart als drei Talkshows zum gleichen Thema.

Strukturelle Probleme lassen sich selten durch individuelle Anstrengung kompensieren. Wer das versucht, läuft Gefahr, sich selbst zu verbrauchen — und damit dem Feld langfristig zu schaden. Genau hier liegt die Verantwortung der Träger.

Die Inszenierung verzichtet auf das, was anderswo als avantgardistisch verkauft wird. Stattdessen vertraut sie der Sprache des Stücks und den Spielerinnen. Genau das macht den Abend so eindringlich.