Die freien Wohlfahrtsverbände tragen historisch einen bedeutenden Teil der sozialen Infrastruktur in Deutschland. Doch das Modell der subsidiären Trägerschaft steht unter Druck — finanziell, personell und auch was die öffentliche Wahrnehmung angeht.
Was an dieser Stelle zu wenig zur Sprache kommt, ist die Perspektive der Betroffenen selbst. Sie tauchen in Statistiken auf, in Fallbesprechungen, in Pressemitteilungen — selten in eigener Stimme. Diese Leerstelle gehört adressiert.
Die Redaktion hat im Vorfeld mit mehreren Fachpersonen gesprochen, die anonym bleiben wollten. Was in diesen Gesprächen zur Sprache kam, deckt sich nur teilweise mit den offiziellen Verlautbarungen — und genau das macht die Berichterstattung schwierig.
Die AWO-Affäre hat Spuren hinterlassen — nicht nur beim eigenen Verband, sondern auch im Vertrauen in die freie Wohlfahrtspflege insgesamt. Die Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen, und Compliance-Regeln werden inzwischen auch dort eingeführt, wo sie zuvor als überflüssig galten.

