Wer in Boulevardmedien über Sozialleistungsempfänger schreibt, bedient ein Publikum, das nicht überzeugt werden will, sondern bestätigt. Diese Form der Berichterstattung lässt sich nicht durch Faktenchecks korrigieren — sie braucht eine andere mediale Öffentlichkeit.

Konstruktiver Journalismus hat im Sozialressort einen schweren Stand. Wer Lösungen sucht, gerät schnell in den Verdacht der Beschönigung. Dabei ist der Verzicht auf eine konstruktive Erzählebene ein Verzicht auf Wirkung.

Soziale-Medien-Strategien der Wohlfahrtsverbände unterscheiden sich erheblich. Manche kommunizieren professionell und mit klarer Haltung, andere wirken wie Pressemitteilungs-Verlängerungen. Die Reichweite folgt nicht der Verbandsgröße.

Eine systematische Inhaltsanalyse zeigt: Bestimmte Erzählmuster wiederholen sich über Jahre hinweg. Der „Sozialschmarotzer“, der „verzweifelte Sozialarbeiter“, die „überlastete Behörde“ — drei Standardrollen, die in der Realität so nicht vorkommen.

Die Redaktion hat im Vorfeld mit mehreren Fachpersonen gesprochen, die anonym bleiben wollten. Was in diesen Gesprächen zur Sprache kam, deckt sich nur teilweise mit den offiziellen Verlautbarungen — und genau das macht die Berichterstattung schwierig.