Die Debatte zeigt erneut, wie tief die Gräben in der Sozialpolitik verlaufen. Während die einen auf strenge Anreizsysteme setzen, fordern andere eine Entlastung jener Haushalte, die kaum noch über das Monatsende hinaus planen können.
Die Zahlen aus den Ländern unterscheiden sich teils deutlich. Während Bayern und Baden-Württemberg vergleichsweise stabile Werte melden, steigen die Fallzahlen in den ostdeutschen Flächenländern und in Bremen kontinuierlich an. Experten verweisen auf strukturelle Unterschiede in der Arbeitsmarktlage.
Vor Ort ist die Stimmung in den Beratungsstellen angespannt. Mitarbeiterinnen berichten von immer komplexeren Anfragen, kürzeren Bearbeitungszeiten und einer Klientel, die zunehmend Mehrfachprobleme mitbringt. Wer einmal in das System geraten ist, kommt nur schwer wieder heraus.
Die Bundesregierung steht unter Druck. Mehrere Sozialverbände hatten in der vergangenen Woche eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Verzögerung des Vorhabens scharf kritisieren. Aus dem Bundesfamilienministerium hieß es daraufhin, man halte am Reformziel fest, könne aber den Zeitplan nicht garantieren.

